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Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems

Volker Handon ist einer der schärfsten Kritiker des Casino-Kapitalismus.

Das Finanzsystem läuft heute als Spekulation im Mega-Sekunden-Takt. Das System hat sich selbst unglaublich gemacht.

Börsen funktionieren heute als Kathedralen des Finanzkapitals und haben Geld verselbständigt von der Realwirtschaft. Dort wird reines Risikokapital auf digitalen Spieltischen investiert. Dabei wird mit Geld äußerst viel Geld verdient, doch die Gesellschaft erhält dafür keinen Gegenwert.

Volker Handon ist Wertpapierhändler bzw. Day-Trader (gewesen). Früher hießen diese Leute Spekulanten, heute nennt man sie Anleger oder Investoren. In seinem Buch bewegt er sich zwischen Börsenhandel, Psychologie, Wirtschaftspolitik und persönlichen Erlebnissen in der Börsen- und Finanzwelt. Er stieg dort aus. Er hatte genug von der extremen Gier, dem Wunsch, der Beste zu sein, Macht über den Markt zu haben, pure Adrenalin.

Über dieses Finanzsystem hat er ein Buch geschrieben und ein Interview bei KenFM gegeben. Daraus ist erkennbar, daß sich nach dem Finanz-Crash 2008 überhaupt nichts verbessert hat, sondern die nächste Blase steht längst vor dem Zerplatzen. Allerdings gibt es heute keine Geld-Mittel mehr, sie sind alle schon verbraucht, um das Bankensystem zu retten.

Volker Handon: „Die Psycho-Trader. Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems“

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Westend (11. Mai 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3864890829

Zitate von Volker Handon über diesen Aspekt des Finanzsystems:

„Das Geldsystem ist eine der besten Erfindungen der Menschheit, doch es ist zu einer gigantischen Umverteilungsmaschine von Vermögen degeneriert.“

„Der durchaus sinnvolle Absicherungsmarkt ist heute zu einer riesigen Spekulationsspielwiese geworden.“

„Die Kollegen im Parketthandel kannten genau zwei Themen: Geld und Sex. Das galt übrigens auch für die Frauen, die dort arbeiteten. Es war im Grunde der größte Affen- und Saustall, den ich bis dahin gesehen hatte.“

„Ich glaube, es gibt keinen anderen Job mit einer größeren Divergenz zwischen gesellschaftlichem Ansehen und intellektueller Leistung als den des Börsenmaklers. Es ist unfassbar, wie sich diese Branche völlig zu Unrecht ein solch gutes Standing in der Öffentlichkeit erschleichen konnte, obwohl hier bestenfalls mit lauwarmem Wasser gekocht wird.“

„Finger weg vom Handel mit Geld! Er besitzt ein viel zu großes Potenzial Menschen unglücklich zu machen.“

„Geld mit Geld zu verdienen ist krank. Und es macht krank, wenn man nicht aufpasst.“

„Wenn man als selbständiger Händler erfolgreich überleben will, muss man bereit sein, sich jeden Tag einen Spiegel vorzuhalten und in die innersten Abgründe zu blicken.“

Der Zocker stelle immer eine Art Handgranate in einem Munitionslager dar.

DIE GRÖSSTEN FEHLER DER ANLEGER:

  • Risikotoleranz

„Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. […] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.“

  • Übertriebene Zuversicht

„An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.“

  • Kurzfristiges Denken

„Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse […] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.“

  • Verlustaversion

„Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. […] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. […] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.“

  • Verdrängen

„Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene ‚Konten‘ zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. […] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.“

Quelle: Robert G. Hagstrom, „Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.“, Börsenbuchverlag 2011.

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